Samstag, 1. September 2012

Rückschau zum Rudelbildung Spiel der Woche: Fortuna Düsseldorf - Borussia Mönchengladbach (0:0)

Es gibt Fußballspiele, wo man sich fragt, wieso man sich so etwas "antut". Das Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Borussia Mönchengladbach gehörte zu eben jenen. Trotzdem sind einige Dinge aufgefallen, gerade in Bezug auf die Frage wieso die Gladbacher die Düsseldorfer nicht knacken konnten.

Die jeweiligen Formationen

Der Aufsteiger aus Düsseldorf lief in einem 4-4-1-1 System auf, das gerade im Zentrum sehr kompakt gestaffelt war. Sowohl die Außenverteidiger van den Bergh und Levels als auch die Mittelfeldaußen Bellinghausen und Kruse machten die Mitte zu, sodass es schwer war hier durchzukommen. Voronin agierte als eine Mischung aus hängender Spitze und Spielmacher, ließ sich jedoch oft nach hinten fallen um den Ball zu bekommen, während Stefan Reisinger die einzige Spitze war. Dies war im Gegensatz zur Vorwoche auch der einzige Wechsel, Rafael saß dafür nur auf der Bank. Gepresst wurde von Düsseldorfer Seite sehr hoch aus einer 4-4-2 Formation, wo Voronin neben Reisinger rückte.

Die Gladbacher veränderten ihr Team im Gegensatz zum Sieg in Kiew auf zwei Positionen. Dominguez kam rückte für Brouwers in die Elf und im Sturm ersetzte Cigerci Mike Hanke. Dies hatte interessante taktische Umstellungen zur Folge. Gladbach agierte nämlich nicht wie vermutet in einem 4-2-3-1, sondern im gewohnten 4-2-2-2. Cigerci agierte hier als eine Art hängender Stürmer, der weite Wege ging, während Luke de Jong auch viel unterwegs war, jedoch mehr zentral agierte. Auf den Außen agierten Hermann und Arango, dieser war auch wieder der dominierende Faktor im Gladbacher Spiel, allerdings nicht so extrem, wie es noch gegen Hoffenheim der Fall gewesen war, da ihm viele Fehlpässe unterliefen. Die Viererkette agierte äußerst konservativ, gerade die Außenverteidiger Daems und Jantschke schalteten sich kaum in die Offensivbemühungen ihres Teams ein. Dies entwickelte sich im Laufe des Spiels mehr und mehr zum Problem.

Die fehlende Breite im Gladbacher Spiel

Das Hauptproblem der Gladbacher in dieser Begegnung fiel früh ins Auge: Es fehlte die Breite im Spiel. Da Arango zumeist in die Mitte zog, oder sich hinter Daems fallen ließ um als abkippender Spielmacher zu agieren, und Hermann auch am liebsten in die Mitte zieht, wo er das schnelle Kombinationsspiel sucht, waren die Außen zumeist unbesetzt. Es gibt zwei Gründe, wieso dies nicht unbedingt ein Problem sein muss. Erstens, weil der Gegner das Zentrum nicht zustellt und es deswegen der beste Ort ist um sich Torchancen zu erspielen oder zweitens weil die Außenverteidiger hoch agieren und somit für die nötige Breite im Spiel sorgen - doch beides war nicht gegeben. So machten sich die Gladbacher das Leben selber schwer, da sie das Zentrum überluden, welches eh schon zugepackt war.

Düsseldorf agierte sehr kompakt im Zentrum und hatte deswegen konstant eine Überzahlsituation zu verzeichnen. Die Gladbacher konnten sich deswegen selten im Zentrum durchspielen. Dies lag zum einen an der Taktik der Düsseldorfer, zum anderen daran, dass das Offensivspiel der Gladbacher  noch nicht funktioniert. Da man mit Xhaka und de Jong zwei neue Spieler einbauen muss mangelt es hier noch an der Abstimmung und den Laufwegen. Ein weiteres Problem, und für mich das Hauptproblem, ist allerdings, dass Gladbach es nicht versteht seinen neuen Stürmer de Jong richtig einzusetzen.

Wieso de Jong in der Luft hängt

Der Niederländer ist ein nahezu kompletter Stürmer: Gut am Ball, beweglich und auch nicht langsam. Doch seine größte Stärke hat er, ähnlich wie Schalkes Huntelaar, im Strafraum. Doch genau da bekommt er nur selten die Chancen zu agieren. Gladbach Trainer Favre will, dass seine Mannschaft sich mit Kurzpassspiel in den Strafraum kombiniert und dort zum Abschluss kommt. Da der Gegner aber so tief steht muss man auch auf Flanken zurückgreifen können. Doch dies tun die Gladbacher nicht. So laufen sie immer wieder vergebens an und sind in ihrer Spielweise sehr einfach auszurechnen. Der Gegner macht das Zentrum zu, welches Gladbach in Verlegenheit bringt.

Da die Gladbacher keine Flanken schlagen, gestern schlug man in der gesamten Partie nur vier Stück, ist es für den Gegner ein einfaches das Zentrum zu blockieren ohne dafür bestraft zu werden. Wird der Ball auf die Außen gespielt rückt man raus und stellt den Gladbacher Spieler, damit er nicht vorbeigehen kann. Eine Flanke muss man nicht fürchten, eher wird der Ball wieder hinten rum gespielt, wo der Außenverteidiger reagiert anstatt zu agieren.

Was müsste Gladbach in so einer Situation tun?

Von der Grundidee war die Aufstellung von Cigerci sehr gut gedacht, denn er lief viel und versuchte so Verwirrung in die Innenverteidigung der Düsseldorfer zu bringen. Auch hätte dies für Zuordnungsprobleme sorgen können, da er oft in der Grauzone zwischen defensivem Mittelfeld und Innenverteidigung des Aufsteigers zu finden war.

Die Räume, die er schuf, hätten dann Platz für Hermann und Arango öffnen sollen oder de Jong mehr Freiraum geben können. Doch da die Düsseldorfer das Zentrum so massiv verteidigten hätte Favre spätestens in der zweiten Halbzeit seine Außenverteidiger mehr ins Spiel einbinden müssen. Dies geschah zu Beginn der zweiten Halbzeit in einer kurzen Phase, in der Daems sogar einmal Arango hinterlief. Kurz darauf öffnete ein weiterer Lauf von Daems den Weg für Arango, der so in der Mitte mehr Platz vorfand und Giefer per Fernschuss testen konnte. Hätte man dies in der gesamten zweiten Hälfte beibehalten hätte man Düsseldorf vor eine neue, ungewohnte, Situation gestellt.

In dieser Phase presste die Gladbacher auch wesentlich höher, was dazu führte, dass man einen kürzeren Weg zum Tor hatte nach der Balleroberung. Da man das Spiel dominierte, knapp 60 Prozent Ballbesitz, wäre auch eine Dreierkette mit Winbacks eine Möglichkeit gewesen. Nordtveit hätte mit Dominguez und Stranzl eine Dreierkette formen können, auf den Außen hätte man Wendt und Jantschke spielen lassen können, während man im Mittelfeld mit Xhaka, Hermann und Arango agieren können. Vorne hätte man mit de Jong und de Camargo zwei Strafraumstürmer postieren können, die auf die Flanken der Wingbacks lauern könnten. Dies hätte Düsseldorf vor eine vollkommen neue taktische Situation gestellt ohne alt zu viel zu ändern.


Wen hätte Gladbach einwechseln können?

Mit Wendt verfügen die Gladbacher über einen Außenverteidiger desen Stärken eher im Offensivspiel als im Defensivspiel liegen. Favre, von Grund auf eher ein Sicherheitsfanatiker, hätte einen offensivstarken Außenverteidiger bringen sollen, der mit seinen Läufen die Linie entlang für einen neue Option im Angriffspiel hätte sorgen können. Dies hätte Düsseldorf gezwungen seine defensive Grundordnung zu verändern, da man sich dann auch auf hinterlaufene Außenverteidiger hätte einstellen müssen. Daems und Jantschke agierten so defensiv, dass die Düsseldorfer wussten, dass sie den Gladbacher Außen nur davon abhalten mussten ins Dribbling zu gehen und ihn stattdessen zum Rückpass zu zwingen.

Auch ein zweiter klassischer Stürmer wäre eine gute Überlegung gewesen. De Jong hätte Hanke oder de Camargo zur Seite gestellt bekommen sollen. Hanke hätte als spielender Stürmer um de Jong herum agieren können, während der Belgier de Camargo ein weiter Strafraumstürmer gewesen wäre, den man mit Flanken hätte füttern können. Das man dies nicht mehr versuchte ist besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Gladbach 72 Prozent aller Kopfballduelle gewann.

Favres wirkungslose Einwechslungen

Es waren die klassischen Auswechslungen von Favre: Hermann raus, dafür Ring rein, Hrgota für Cigerci und Hanke für de Jong - doch sie waren wirkungslos.

Mit Hermann nahm Favre dem Gladbacher Spiel den einzigen dynamischen Spieler, der ein wenig an Reus erinnerte. Eben jener Reus hatte in der Vorsaison mit seinen Läufen in die Tiefe oft die wichtigen Löcher in gegnerischen Abwehrketten gerissen.

Ein weiteres Problem mit der Einwechslung von Ring war, dass man ihn kaum am Spiel teilhaben ließ. In seinen zwanzig Minuten Einsatzzeit hatte der Schwede nur 12 Ballkontakte. Taktisch agierte Ring mehr an der Seitenlinie als Hermann, welches dem Gladbacher Spiel mehr breite gab, doch da Jantschke sich auch weiterhin kaum im Offensivspiel einschaltete stand Ring Außen zumeist alleine gegen 2-3 Düsseldorfer. So verwunderte es nicht, dass oft abbrechen musste und den Ball entweder seitlich oder hinten rum spielte. Und Flanken schlug er erst recht nicht.

Mit der Einwechslung von Hrgota erhoffte sich Favre einen mehr spielstarken Stürmer, der durch sein gutes Kombinationsspiel das Düsseldorfer Bollwerk knacken sollte. Auch dies verpuffte vollkommen wirkungslos. Gerade einmal drei Pässe spielte er in seinen fünfzehn Minuten Einsatzzeit. 

Mike Hanke ersetzte de Jong, doch nicht wie man denken würde als vorderster Stürmer. Er agierte extrem linkslastig, sodass das Sturmzentrum mit seiner Einwechslung meistens unbesetzt blieb. Dies machte es noch einfacher für die Düsseldorfer, da alles nun darauf hinauslief, dass man versuchte die Mitte für Arango zu öffnen. Und diesen gefallen tat man ihnen natürlich nicht.

Die fehlende Kreativität beider Mannschaften

Das die Düsseldorfer kein Offensivfeuerwerk abbrennen würden war zu erwarten. Durch ihre defensive Spielweise hatten sie weit bis zum Gladbacher Tor und da die Fohlen - Elf auch nur das nötigste riskierte konterte Düsseldorf immer in Unterzahl Richtung Tor von ter Stegen. Trotzdem hatte man in der zweiten Halbzeit das Gefühl, dass die Düsseldorfer dem Siegtreffer näher waren als die Gladbacher. Ihr Offensivspiel hatte mehr Hand und Fuß, gerade da sie mehr Tempo in ihren Kontern hatten als die Gladbacher, die viel zu langsam konterten und nachrückten. Dass die Fortuna trotzdem kaum zu Torchancen kam lag an den schwächen im Passspiel. So verzeichneten die Düsseldorfer eine Fehlpassquote von 22 Prozent, eine hohe Anzahl.

Auch die Gladbacher Fehlpassquote spricht Bände, auch wenn sie nicht so extrem ausfällt, wie die der Fortuna. 16 Prozent sind dennoch sehr viel für ein Team, dass in so einem hohem Grad auf Sicherheitspässe baut und wo drei der vier Spieler mit den meisten Pässen Verteidiger sind. Ihr Offensivspiel war leicht auszurechnen, da fast jeder zweite Angriff, 43 Prozent waren es, über die linke Seite lief und die Außenverteidiger kein Teil der Angriffsbemühungen waren. Keine einzige Flanke wurde von Daems oder Jantschke während der neunzig Minuten geschlagen.

Die Statistik, die das Elend noch am besten beschreibt ist folgende: Düsseldorf verzeichnete 60 Prozent seiner Torabschlüsse aus Standardsituationen, bei den Gladbachern waren es 38 Prozent. Eine Bestätigung dafür, dass beiden Teams aus dem Spiel heraus wenig einfiel. Das auf Düsseldorfer Seite Keeper Fabian Giefer nach 35 Minuten der Spieler mit den meisten Ballkontakten war sprach Bände. 

Intensives Spiel mit vielen Unterbrechungen

Ein weiterer Faktor für die fehlende Qualität war, dass beide Teams den anderen immer wieder mit kleinen Fouls im Spielfluss störten. 39 Fouls notierte die Bundesliga - Datenbank insgesamt.

Gerade die Gladbacher waren es, die sich das Leben selbst schwer machten, indem sie die Düsseldorfer oft foulten. 23 Mal wurden sie zurück gepfiffen, dass ist fast doppelt so viel wie im Durchschnitt in der Vorsaison. Die Düsseldorfer nutzen dies natürlich aus und nahmen das Tempo so noch mehr aus der Partie.

Fazit

Leider traf das Fazit der Vorschau ein:

"Ein Fußballfest ist nicht zu erwarten, da beide Mannschaften zuerst darauf bedacht sind hinten sicher zu stehen. Doch wie immer im Fußball kann der Faktor "Zufall" und die nicht vorhersehbare Anzahl an individuellen Fehlern so eine Prognose hinfällig werden lassen. Dem neutralen Zuschauer ist dies zu wünschen, ansonsten deutet sich eine zähe Affäre an, in der die einen nicht unbedingt wollen und auf einen lucky punch warten, Düsseldorf, während die anderen nicht können, Gladbach."


Gladbach spielte zu langsam und eintönig, als das man die Düsseldorfer in Bedrängnis bringen konnte. Da Favre extrem konservativ wechselte und das Spiel der Gladbacher statisch blieb änderte sich daran im Laufe des Spiels auch wenig.

Die Düsseldorfer überzeugten durch enormen Einsatzwillen und gute Organisation. Im Spiel nach vorne agierte man zu ungenau und stieß aufgrund der technischen schwächen einiger Spieler, wie zum Beispiel Bellinghausen und Reisinger, an seine Grenzen. Mit dem Punkt war man jedoch durchaus zufrieden, welches auch eine Szene aus der 91. Minute verdeutlichte: Hier spielte Levels einen Freistoß, der durchaus als Flanke aus dem Halbfeld geeignet war, 40 Meter nach hinten zu einem Innenverteidiger anstatt zu flanken. Kurz danach hatte der Schiedsrichter erbarmen und pfiff die Partie ab.

Alle Daten von bundesliga. de und whoscored.com

Kommentare:

Jan hat gesagt…

Wieder einmal ein klasse Bericht! Mitten ins schwarze getroffen. Leider auch bei der Kritik am gladbacher Spiel!
Weiter so, denn es macht immer wieder Spaß hier zu lesen :)

Rudelbildung hat gesagt…

Vielen Dank Jan :-)